logo

Die Wirtschaftskrise in Europa

logo

Die europäische Wirtschaftskrise.Die Schuldenkrise hält Europa weiter in Atem. Täglich bestimmt sie die Schlagzeilen, ein Schicksalstag folgt auf den nächsten. Noch ist nicht absehbar, ob sie zufriedenstellend bewältigt werden kann oder ob noch heftigere Turbulenzen drohen und die Bürger sich mit gravierenderen Auswirkungen konfrontiert sehen.

Der aktuelle Stand

Momentan gibt es keine einheitliche Entwicklung hinsichtlich der Wirtschaftskraft und der Kaufkraft der Bürger: Es gilt hier, zwischen den Krisenstaaten und den anderen Staaten der Europäischen Union zu unterscheiden. So muss die Situation in Griechenland als dramatisch und jene in Spanien, Portugal und Italien zumindest als ernst bezeichnet werden. In diesen Ländern hat die Schuldenkrise in Form von einschneidenden Sparmaßnahmen, um die galoppierende Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bekommen, unübersehbare reale Auswirkungen. Die griechische Regierung will zum Beispiel zahlreiche staatliche Leistungen kürzen, Beamte entlassen, Investitionen zurückfahren und Steuern erhöhen. Das hat schon jetzt zur Folge, dass das Bruttoinlandsprodukt stark zurückgegangen ist. Es fehlt sowohl an staatlicher Anregung der Wirtschaftstätigkeit als auch an Kaufkraft und Vertrauen der Bürger. Deutschland steht dagegen mit einer relativ niedrigen Arbeitslosigkeit, einer stabilen Wirtschaft und immer noch sprudelnden Steuereinnahmen sehr gut da.

Damoklesschwert Sicherheitsgarantien

Allerdings drängt sich die Frage auf, wie lange dieser Zustand noch halten wird. Um eine drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zu verhindern, haben die EU-Staaten Sicherheitsgarantien in enormer Höhe gegeben. Noch sind das Garantien, die aber bei Einlösung auch den deutschen Haushalt real stark belasten werden. Zudem kauft die Europäische Notenbank bereits jetzt, unter anderem, griechische Staatsanleihen auf, wovon die einzelnen Staaten bei einem Verlust auch betroffen wären. Aktuell besteht kein Grund zur Panik für all die Bürger in Staaten, die nicht direkt von der Krise betroffen sind. Aber im schlimmsten Fall werden auch sie sich mit Sparmaßnahmen sowie einer zurückgehenden Wirtschaftsentwicklung betroffen auseinandersetzen müssen. Andererseits: Einen anderen politischen Weg als die fast verzweifelte Rettung Griechenlands steht der Staatengemeinschaft nicht offen. Ein Ausschluss Griechenlands ist rechtlich nicht möglich und wäre zudem auch ökonomisch gefährlich. Ein Dominoeffekt wäre kaum zu vermeiden, weitere Staaten Südeuropas sähen sich Spekulationen ausgesetzt. Gerade für Deutschland wäre eine Reduktion der Euro-Staaten fatal: Die Einheitswährung nützt dem Export. Würden Staaten den Euro-Raum verlassen, würden sie ihre Währung massiv abwerten, sodass deutsche Produkte jegliche Konkurrenzfähigkeit dort verlieren würden.

Was bedeutet die Schuldenkrise für Anleger?

Die Bürger in Deutschland als Arbeitnehmer, Selbstständige und Steuerzahler sehen sich noch kaum mit den Folgen der Krise konfrontiert. Anderes gilt für all jene, die in irgendeiner Form Kapital angelegt haben. So waren die Börsen erstaunlich lange stabil, in den letzten Wochen haben die Schuldenkrisen, insbesondere auch jene der USA, aber kräftig auf die Stimmung gedrückt. Die relevanten Leitindizes haben stark nachgegeben. Es ist größte Nervosität an den Börsen zu beobachten, immer wieder gibt es kurze Erholungsphasen und dann wieder satte Verluste. Viel spricht dafür, dass diese Schwankungen noch eine Zeit lang anhalten werden. Beim Aktienhandel ist es häufig empfehlenswert, antizyklisch zu handeln. Viele Kurse sind momentan, wenn man sie mit den Wirtschaftsdaten der Unternehmen vergleicht, günstig. Es lohnt sich also, trotz aller Unsicherheiten und eventueller kurzfristiger Verluste momentan durchaus, die eine oder die andere Aktie zu kaufen. Voraussetzung sind dafür starke Nerven, genug finanzielle Mittel und ein mittel- bis langfristiges Investment. Viele setzen stattdessen auf Gold, das in den letzten Monaten stark an Wert gewonnen hat. Hier ist aber eine gewisse Vorsicht geboten: Der Goldkurs ist dermaßen kräftig angezogen, dass es auch zu Bewegungen in die entgegengesetzte Richtung kommen kann.

Bild: Dan Race – Fotolia

Die Ursachen der Wirtschaftskrise in Europa

logo

Die Wirtschaftskrise in Europa.Es ist nicht leicht zu sagen, welche Tage Eingang in die Geschichtsbücher finden werden, wenn die Rede von der Wirtschaftskrise der Jahre 2008 bis wenigstens 2011 ist.




Der 29.09.2011: Ein Tag mit Geschichte

In der deutschen Geschichtsschreibung dürfte aber sicherlich der 29. September 2011 seinen Platz sicher haben, denn er markierte einen absoluten Höhepunkt. Der deutsche Bundestag beschloss an diesem Tag, die deutschen Bürgschaften für den sogenannten europäischen Rettungsfonds um mehr als 100 Milliarden Euro auf 211 Milliarden Euro aufzustocken. Diese Summe entspricht fast dem gesamten deutschen Kernhaushalt. Aber wie konnte es soweit kommen? Was war geschehen?

Die Bankenkrise 2008 legte den Grundstein

Die Wirtschaftskrise des Jahres 2011 ist noch immer die Finanzkrise des Jahres 2008. Im damaligen Herbst ging die weltgrößte Investmentbank Lehman Brothers pleite. Es entstand eine Kettenreaktion oder ein Flächenbrand, wie es der damalige Finanzminister Peer Steinbrück ausdrückte. Banken mussten mit staatlichen Geldern gestützt werden. Da die Finanzinstitute aber kein eigenes Geld mehr hatten, konnten sie auch keine Kredite mehr vergeben. Um ein Absterben der Realwirtschaft zu verhindern, legten die Staaten gewaltige Konjunkturpakete auf, die es durchaus vermochten, der Wirtschaft zu helfen, jedoch die Haushalte einiger Staaten maßlos überforderten.

Sommer 2010: Griechenland wackelt

In der Eurozone war es Griechenland, das es nicht vermochte, die ausufernden Kosten einzufangen. Das Land lebte schon vor 2008 mit gewaltigen Defiziten. Danach eskalierten sie. Im Sommer 2010 bekam das Land Probleme mit den Banken, die, selbst noch von der Finanzkrise gezeichnet, kein Geld mehr verleihen wollten. Die EU gründete den ESFS, den sogenannten europäischen Währungsfonds, der erst die Griechen und dann die Iren und die Portugiesen vor der Pleite bewahrte. Doch Griechenland blieb ein Krisenherd.

2011: Spekulanten wetten gegen den Euro

Im Jahr 2011 griffen asiatische und amerikanische Spekulanten den Euro massiv an. Das erste Land, das wiederum wackelte, war Griechenland. Die Südeuropäer konnten mittlerweile nicht einmal mehr die Zinsen der Kredite bezahlen. Die Banken verweigerten neue Darlehen, denn die Griechen hatten es ebenfalls versäumt, versprochene Reformen zu unternehmen, die im Hauruck-Verfahren nachgeholt werden sollten. Eine neue Kettenreaktion entstand. Als sich erstmals zeigte, dass die Griechen Staatsanleihen nicht würden zurückzahlen können, wurden die Großbanken der Eurozone, die alle Schuldpapiere der Griechen hielten nervös. Sie wurden deshalb beim Ankauf von Schuldpapieren stark verschuldeter Länder vorsichtiger. Auf einmal erfasste der Schuldensog und die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit auch Italien und Spanien, die immer höhere Zinsen auf ihre Staatsanleihen bieten mussten, um sie überhaupt verkaufen zu können. Dies führte zu einer noch größeren Unsicherheit unter den Banken, die die Papiere ankauften, ob sie ihr Geld zurückerhalten würden. Die Spekulanten zogen ihr Geld zusätzlich gezielt aus den kritischen Ländern ab, um den Euro noch mehr zu schwächen. Die europäischen Banken fuhren die Kreditvergaben an andere Finanzinstitute und die Realwirtschaft zurück, was deutliche Spuren hinterließ. Die Politik beschloss in der Folge, den europäischen Rettungsfond deutlich zu erhöhen, um so zu garantieren, dass jeder sein Geld zurückbekommen würde. Er soll künftig mehr als 600 Milliarden Euro umfassen. Kritiker sagen, diese Summe reiche längst nicht.

Foto: drubig-photo – Fotolia

logo
© 2011 Chilifrance |Impressum